Werkzeug für Autoren - Evernote PDF Drucken

Moment mal! Klangen die bisherigen Kapitel über so altmodische oder gar archaische Geräte wie Füllfederhalter, Bücher lesen und klassische Notizbücher, als wäre ich ein Gegner moderner Werkzeuge? Bin ich gar nicht!
In der Tat bin ich ein hingebungsvoller Technikfreak, dem an den Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts (fast) eben so viel liegt, wie an denen des 19. Jahrhunderts.


Zu den aufregendsten Technologien gehören die jüngsten Online- bzw. Internetdienste, die eine komplette Anwendung im Netz laufen lassen.
Neudeutsch, bzw. Hypedeutsch sagt man hierzu "Cloud Computing", was nichts anderes besagen will, als dass wichtige Daten im Netz (in der "Cloud") liegen, statt auf der heimischen Platte. Auch wenn ein Programm seine wichtigsten Funktionen nur bei Onlineverbindung zur Verfügung stellt, kann man von Cloud Computing sprechen. Doch dazu später mehr.

Der erste Service, den ich hier empfehlend vorstellen will, ist Evernote.
Wie der Name schon sagt, handelt es sich hierbei um ein digitales Notizbuch. Wer das Kapitel über klassische Notizbücher gelesen hat, weiß, dass ich an einem solchen Dienst nicht teilnahmslos vorübersurfen konnte.

Was heißt digitales Notizbuch? Welche Daten bewahrt man darin auf?

Nun, Evernote schluckt einfach alles!
Ob getippte Notizen, Audiodateien, eingescannte Texte, gescannte Bilder, digitale Fotos, Handy-Schnappschüsse, E-Mails, Internetseiten (ganz oder in Auszügen), Dokumente (PDF und andere Formate) oder Kombinationen aus all diesen Informationen - völlig einerlei. Alles findet in Evernote Platz.

Wie kommen die Daten hinein?

Ich kann Evernote öffnen und lostippen oder auch von Hand schreiben, wenn ich ein Grafiktablett besitze. Evernote erkennt das Grafiktablett und bietet mir an, Skizzen zu begradigen, das heißt, aus einem hingekrikelten Ei wird ein vollendeter Kreis, wenn ich es will.
Ich kann beim Browsen im Internet Text und Bilder markieren und per Knopfdruck an Evernote schicken (ohne das Programmfenster überhaupt öffnen zu müssen), ich kann Scans und andere Dateien in einem speziellen Ordner auf dem Computer ablegen, den Evernote überwacht und automatisch aussaugt wie ein Datenvampir. Ich kann unterwegs mit dem Handy eine MMS mit Foto an Evernote schicken, oder eine SMS an Twitter, welches den Text wiederum an Evernote weiterleitet. Es wird schwer, sich ein Szenario auszumalen, in dem man seine Daten nicht irgendwann in Evernote ablegen kann, denn auch Visitenkarten scanne ich inzwischen ein und lege sie in Evernote ab. Es gibt noch so viele weitere Wege, Evernote mit Daten zu füttern, dass es müßig ist, sie alle aufzulisten. Wichtig ist, dass ich Evernote oft gar nicht erst öffnen muss, um Notizen darin abzulegen!

Wie finde ich meine Notizen wieder?

Bleiben wir einmal kurz bei den Visitenkarten. Ich erinnere mich vielleicht an den Vornamen, oder an den Nachnamen oder an beides, aber nicht an die Adresse eines Ansprechpartners. Also tippe ich in der Suche los. Augenblicklich wird die Liste aller Notizen eingeengt auf die Notizen, die den Suchbegriff enthalten. Das Tolle ist, Evernote findet auch Text in Bilddateien, also auch Text in eingescannten Visitenkarten! Alle Notizen laufen bei Evernote durch die Texterkennung und werden ensprechend durchsuchbar gemacht. Wenn ich in Blockbuchstaben oder sehr leserlich schreibe, findet Evernote auch solchen Text wieder.
Schön ist das Ganze auch für Plakate, wobei die Textsuche in Bildern unabhängig von der Ausrichtung ist und außerdem leichte perspektivische Verzerrungen (Litfaßsäule usw.) gut verträgt. (Suchbegriff war hier Chris Rea, mit der gelben Markierung sagt Evernote Bescheid, wo es den Begriff gefunden hat)


Evernote screenshot


Natürlich findet die Suche auch Text, den ich in Evernote eintippe, aber gerade die Texterkennung in Bildern und Scans ist ein echter Segen. Manches, was ich sonst ewig in irgendwelchen Schubladen aufbewahre, landet so digital in Evernote, während der Zettel in der realen Welt in den Papierkorb wandert.

Die Suche ist also wirklich gelungen. Zusätzlich aber bietet Evernote auch die Möglichkeit, Notizen mit Schlagworten zu versehen (Neudeutsch: "tag") sowie die Notizen in gesonderten "Notizbüchern" abzulegen. Ich habe im Moment ein geschäftliches Notizbuch, ein Allgemeines (Standardnotizbuch) und eines, in dem ich Notizen für einen Roman aufbewahre.

Was kostet der Spaß?

Nichts. Man registriert sich lädt ggf. Software herunter und legt los. Man kann Evernote im Browser, von Windows oder MacOS aus betreiben. Kostenpflichtig sind lediglich Zusatzdienste für fortgeschrittene Benutzer (wie zum Beispiel größeres Datenvolumen beim Upload oder beschleunigte Texterkennung in Bildern)

Und hier ein paar Beispiele, wie ich Evernote nutze:

  • Ich bin beim Arzt und lese in der regionalen Zeitschrift von einem Wettbewerb. Handy heraus, Seite fotografieren und an Evernote senden ist eine Aktion von ca. 15 Sekunden.
  • Ich recherchiere im Internet und stoße auf jede Menge Informationen. Meine Lesezeichenliste ist aber bereits so tief verschachtelt wie eine Babuschkapuppe und ängstigt mich jedes Mal, wenn ich sie öffne. Wenn ich nur die Info einer Seite brauche, aber nicht die Internetseite selbst, warum sollte ich ein Lesezeichen anlegen? Statt dessen markiere ich, was ich wichtig finde, vergebe ein Schlagwort und finde alles in Evernote wieder.
  • Ich schreibe Briefe. Natürlich mit dem Füllfederhalter und auf Papier. Aber eine eingescannte Kopie landet vor dem Postversand in Evernote unter dem Schlagwort "Briefe" mit ein paar getippten Zusatzinfos (wann an wen).
  • Ich liebe Listen! To-Do-Listen, Planlisten, Kontrolllisten, Wunschlisten, Setlists für Auftritte, Listen von Listen! Im Text meiner Notizen kann ich an jeder beliebigen Stelle kleine Kästchen zum Abhaken einbauen - später, bei der Suche findet Evernote auf Wunsch Notizen mit einer solchen checkbox wieder, getrennt nach "erledigt" und "nicht erledigt". Ich kann also wie der unorganisierte Trottel, der ich im Grunde bin, wild in irgendwelchen weit verstreuten Notizen To-Do Einträge hinterlassen und sie regelmäßig wiederfinden, indem ich nach allen Notizen mit unerledigten (nicht abgehakten) Kästchen suche.
  • Ich bekomme eine E-Mail mit Infos, die ich jetzt noch nicht, aber bald... irgendwann... benötige (Telefonnummern und Adressen von Veranstaltern sind die Lieblingskandidaten für solche E-Mails). Ich drücke auf einen "An Evernote senden"-Knopf in meinem E-Mail-Programm (Thunderbird) oder leite der Einfachheit halber einfach die komplette E-Mail weiter an meine Evernote-E-Mail.

Wenn man einmal angefangen hat, landen über kurz oder lang immer mehr Informationen zusätzlich in Evernote, darunter auch Seiten aus meinen handschriftlichen Notizbüchern. Evernote ist einer der ganz wenigen Online-Dienste, für den ich im Laufe des kommenden Jahres Geld ausgeben werde.