Gegen Parallelwelten PDF Drucken
Freitag, den 29. Januar 2010 um 13:18 Uhr

Ich möchte nicht, dass irgendjemand auf die Idee kommt, ich würde die Existenz von Parallelwelten leugnen.

Ich weiß so gut wie jeder andere, dass es Gegenden in Deutschland gibt, wo man sich als Deutscher nicht sicher fühlen kann, wo man befremdet feststellt, dass man mit der eigenen Sprache nicht weiter kommt und man im Gegenzug niemanden versteht.
Natürlich weiß ich, dass mancherorts Menschen, die eigentlich gesamtgesellschaftlich betrachtet eine Minderheit sind, derart gehäuft aufeinanderhocken, dass sie de facto das gesamte Leben mit ihren Ansichten und ihrer Mentalität bestimmen - auch für die, die eben nicht zu ihnen gehören. Und diese Ansichten und diese Mentalität sind eben nur schwer bis gar nicht mit der freiheitlich-westlichen Lebensart zu vereinbaren. Da werden elementare Menschenrechte mit den Füßen getreten und Frauen auf die Hausfrau/Mutter-Rolle reduziert, als hätte es die Frauenbewegung nie gegeben. Da wird offen und aggressiv gegen das Grundgesetz Stellung bezogen und die Abschaffung der parlamentarischen Demokratie angestrebt. Ich weiß auch, dass da Risse quer durch die Familien gehen, weil nicht wenige eben verblendete Jugendliche sind, die Fanatikern und Fundamentalisten hörig geworden sind. Die ratlosen Eltern haben sich oft in Apathie und Resignation zurück gezogen, genau wie immer öfter auch Teile der Behörden und des Staatsapparates. Bürgermeister, die kapitulieren, Polizisten, die bestimmte Gegenden gleich ganz meiden, Jugendämter, die die Betreuung der Jugendlichen tatenlos Vereinen mit klar fanatischer und extremistischer Ausrichtung überlassen.

Wir müssen alle dagegen halten.
Darum auch der ganz klare Apell an dieser Stelle: "Liebe Bürger Sachsens und Sachsen-Anhalts, wir haben hier Regeln. Die gelten auch für euch!"

Mir ist klar, dass es national befreite Zonen auch anderswo geben wird. Die Entwicklung zeichnet sich jedenfalls ab. Natürlich sind wir alle dazu aufgerufen, Stellung zu beziehen.
Deswegen ist es gerade als türkischstämmiger Deutscher gut und beruhigend zu wissen, dass alle demokratischen Deutschen an unserer Seite stehen und sich auf dieses wichtige Problem konzentrieren. Denn ich registriere, dass der Begriff "Parallelwelt" immer mehr öffentliche Diskussionen prägt. Auch wenn das nach meinem Dafürhalten recht spät kommt (Jeder mit wachem Verstand beklagt die Existenz dieser Parallelwelten spätestens seit den 90er Jahren), bin ich doch froh, dass jetzt endlich die gesellschaftliche Aufmerksamkeit sich auf ein Problem richtet, das ganz real und oft genug vor der eigenen Haustür auftaucht. Dortmund ist da ein unrühmliches Beispiel, auch wenn im vergangenen Herbst der rechten Aufmarsch-Strategie sehr ermutigende Gegenentwürfe in den Weg gelegt wurden.

So bin ich also erleichtert, dass die Menschen in diesem Land die wichtigen Probleme erkannt haben und nun klare Zeichen für die Anwesenheit von Einwanderern setzen, für das Grundgesetz und die Menschenrechte eintreten und also denjenigen Deutschen in unserer Mitte, die mit all diesen Werten nichts anfangen können, aktiv entgegen treten.

Oder wie war das jetzt mit den Parallelwelten gemeint?